Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda

Zusammengetragen und aufbereitet von Bernd Gumpert.
Im Jahr 2014 feierte Heyda 800 Jahre seiner urkundlichen Ersterwähnung. Den großen Abschluss der Festtage bildete der Festumzug. Ein Bild dieses Umzuges stellte die Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda dar. Viele werden nicht wissen, was das eigentlich war; ältere Leute konnten damit sicher noch etwas anfangen. Nun zum geschichtlichen Hintergrund.
Am 01.10.1903 erschien im Riesaer Tageblatt und Anzeiger folgende Anzeige:
Auf Grund der vom Königlichen Ministerium des Innern unter dem 10. Juni 1903 bestätigten Satzungen errichten die Landgemeinden Heyda, Kobeln, Mehltheuer, Prausitz, Pahrenz, Leutewitz, Poppitz, Nickritz, Jahnishausen mit Böhlen und Gostewitz unter obengenanntem Namen eine Sparkasse, mit deren Geschäftstätigkeit am 2. Januar 1904 begonnen werden soll.
Als Vorsteher dieser Kasse hat der Unterzeichnete zu fungieren, als dessen Stellvertreter Herr Gemeindevorstand Schwarze in Heyda; als Kassierer Herr Restaurateur Ernst Börne in Heyda Nr. 29 und als dessen Stellvertreter Herr Gutsbesitzer Hermann Kühne daselbst Nr. 30.
Mit Genehmigung der Königlichen Amtshauptmannschaft Großenhain werden von demselben Zeitpunkt an in Mehltheuer und in Poppitz Geschäftsnebenstellen errichtet, deren Verwaltung Herrn Schnittwarenhändler Adolph Bahr in Mehltheuer Nr. 8 und Herrn Wirtschaftsbesitzer Franz Kirsten in Poppitz Nr. 8 übertragen werden.
Expediert wird bis auf Weiteres:
In Heyda in der Behausung des Kassierers montags — sofern auf diesen Tag ein gesetzlicher Feiertag fällt, am darauffolgenden Werktag — nachmittags von 1 bis 3 Uhr sowie an den ersten Sonntagen eines jeden Quartals nachmittags von 3 bis 5 Uhr.
In Mehltheuer und in Poppitz wird in den Behausungen der Nebenstellenverwalter an den ersten Sonntagen eines jeden Monats nachmittags von 3 bis 5 Uhr expediert.
Spareinlagen werden mit 3¼ % verzinst.
Poppitz, am 28. September 1903
Der Vorsteher der Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda
Reinhold Otto Frenzel, Gemeindevorstand
Der Gründungstag selbst war der 21. Februar 1903. Der Sitz der Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda war in Heyda.
Als Zweck der Sparkasse wird im § 1 der Satzung angegeben, dass insbesondere den Minderbemittelten aus vorgenannten Orten die Gelegenheit gegeben wird, ihre Ersparnisse bis max. 3000 RM zinsbar anzulegen. Für die Verbindlichkeit der Einlagen hafteten die dem Verband angehörigen Gemeinden. Die Amtshauptmannschaft Großenhain war die Aufsichtsbehörde der Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda.
Die Verwaltung des Gemeindeverbandes und der Sparkasse wurde durch einen Ausschuss geregelt, der durch die Gemeindevorstände der beteiligten Orte gebildet wurde. Aus dem Kreis der Gemeindevorstände wurden der Vorsitzende und ein Stellvertreter auf die Dauer von drei Jahren gewählt. Der Vorsitzende bzw. dessen Stellvertreter galten als Vorsteher der Sparkasse und hatten diese zu leiten sowie die Geschäfte eines Kontrolleurs zu verrichten.
Im Jahre 1910 war der Vorsitzende der Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda Herr Richard Schwarze aus Heyda. Die Verwaltung der Sparkasse wurde einem Kassierer übertragen, welcher vom Sparkassenausschuss angestellt und von der Amtshauptmannschaft in die Pflicht genommen wurde. Der Kassierer musste bei seiner Anstellung eine Sicherheit hinterlegen; die Höhe der Sicherheit wurde vom Ausschuss festgelegt, ebenso seine Besoldung.
Nachtrag von 1910
Im Jahr 1910 wurde folgender Zusatz veröffentlicht, aus dem auch die damaligen Gemeindevorstände hervorgehen:
Nachtrag zu den Satzungen der Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda
§ 15 Abs. 1 erhält folgenden Zusatz:
„Die bis zum 3. eines Monats erfolgten Einlagen werden für den betreffenden Monat voll verzinst, desgleichen die in der Zeit vom 28. bis Ende eines Monats erfolgten Rückzahlungen.“
Dieser Nachtrag tritt am 1. Juli 1910 in Kraft.
Heyda, den 24. Februar 1910
Gemeinde Mehltheuer.
Gruhle, Gemeindevorstand.
Gemeinde Jahnishausen mit Böhlen.
Richter, Gemeindevorstand.
Gemeinde Gostewitz.
Keyser, Gemeindevorstand
Gemeinde Poppitz.
Kluge Gemeindevorstand.
Gemeinde Heyda.
Tillig, Gemeindevorstand.
Schwarze, Vorsitzender.
Gemeinde Prausitz.
Däweritz, Gemeindevorstand.
Gemeinde Pahrenz.
Lehmann, Gemeindevorstand.
Gemeinde Nickritz.
Gehre, Gemeindevorstand.
Gemeinde Kobeln.
Michael, Gemeindevorstand.
Gemeinde Leutewitz. Altermann.
Ministerium des Innern ist der vorstehende 1. Nachtrag zu den Satzungen der Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda bestätigt und hierüber diese Urkunde ausgefertigt worden.
Dresden, am 15. Juni 1910.
In Heyda war viele Jahre der Wirt Karl Sommer Kassierer. Der Schalterraum befand sich im Vereinsraum der Gaststätte. Neben dem Kassierer war ein Kontrolleur erforderlich; der Kontrolleur, der gleichzeitig der Vorsteher war, hatte den zweiten Schlüssel. Das Geld wurde in einem Tresor mit doppeltem Schließsystem gelagert. Einen Schlüssel hatte der Kassierer, den zweiten der Kontrolleur. Ein zweiter Schlüsselsatz war in der Amtshauptmannschaft Großenhain hinterlegt.
Die Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda bestand bis nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im Jahr 1950 ging die Gemeindeverbands-Sparkasse zu Heyda in die Kreissparkasse Großenhain, Zweigstelle Heyda, über. Nach der Gebietsreform von 1952 wurde die Sparkasse Riesa gegründet. Die Zweigstelle Heyda hatte zunächst ihren Sitz im Vereinsraum der Gaststätte „Goldener Adler“. Dann wurde im Nebengebäude des Gutes Möbius ein Raum geschaffen, in dem die Zweigstelle untergebracht war.
Unmittelbar nach der Wende wurde die Filiale geschlossen.
Ab 11.Mai 1992 wurde ein Bus der Sparkasse Riesa eingesetzt, der in Boritz, Althirschstein und Heyda jeweils montags und donnerstags vor Ort war. Der Sparkassenbus war auch nur vorrübergehend, denn im Jahr 1994 öffnete eine Zweigstelle der Sparkasse Riesa in Altriesa. Auch diese Zweigstelle stellte nach einige Jahren ihre Tätigkeit ein.
BG

